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	<title>pH~neutral.net &#187; Geschichte</title>
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		<title>Ein Archivar</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Sep 2011 14:23:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Chris</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<p>Archivar ungezählter Gedanken. Die der Anwesenden an ihn werden gleich verblichen sein. * So wie seine Gestalt im Nebel auf dem Bahnsteig. Was tat er überhaupt hier? Er muss nicht im kalten Neonlicht auf Schienen reisen. Befremdlich. Die Abscheu steht ihm ins hagere Gesicht. Geschriebene Erinnerungen züchten sie im  &#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Archivar ungezählter Gedanken. Die der Anwesenden an ihn werden gleich verblichen sein. * So wie seine Gestalt im Nebel auf dem Bahnsteig. Was tat er überhaupt hier? Er muss nicht im kalten Neonlicht auf Schienen reisen. Befremdlich. Die Abscheu steht ihm ins hagere Gesicht. Geschriebene Erinnerungen züchten sie im Auftrag des Archivs. Doch es ist zu spät oder früh, je nachdem von welcher Seite man kommt: Auf dem Weg vom Nachtleben in das heimische Delirium oder noch schlafend auf dem Weg zum Arbeitsplatz. Wie auch immer: die Anwesenden sind träge und er sollte nicht Teil ihrer Denkmuster sein. Nur ein stiller Beobachter, der in den Aufzeichnungen nicht auftaucht. Ein ungesehener Gast. Mit einer nervösen Handbewegung dreht er den Kopf zur Seite und streicht das fettige Haar glatt. Graublond — natürlich. Er muss hier verschwinden. Langsam ohne großes Gebaren. Möglichst unauffällig erhebt er sich von seinem Sitz, während der Wagon zum Stehen kommt. Der Drückknopf leuchtet erst grün, wenn der Zugführer die Türen frei gegeben hat. Einen unendlichen Moment muss er dort warten. Ein zur Salzsäule erstarrter kakifarbener Anzug. Darüber geworfen ein erst auf den zweiten Blick zu großer Mantel in abgetragenem grün. Es sieht aus wie ein kleines Zelt oder ein Leichentuch. Unbeweglich. Die gesammelten Gedanken an sich gepresst in einer abgewetzten, braunen Ledertasche. Für A4. Passgenau. Angestrengt bohrt sich sein starrer Blick durch die Scheibe in das Trüb. Ein Adler von Mann? Eher ein Geier. </p>
<p>Der Zug steht. Er kann nicht anders. Sieht sich doch noch einmal verstohlen um. Seine weit aufgerissenen Augen und Ohren durchleuchten alle Anwesenden. Gestaltgewordene Sensorstation. Hektisch presst er den Daumen auf den Impulsgeber. Die Automatik schwenkt die Tore auf und den Weg frei. Er entschwindet. Ein Schatten in der Nacht. Archivar ungezählter Gedanken. Die der Anwesenden an ihn werden gleich verblichen sein. * </p>
 <p><a href="http://www.ph-neutral.net/?flattrss_redirect&amp;id=2162&amp;md5=48c0a73d29b641a35b81a2eb75d5afef" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.ph-neutral.net/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Anonym verpasst</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Feb 2010 00:08:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Chris</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Unterwegs]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>Das Handy rei&#223;t mich aus dem Halbschlaf des autofahrenden Nachhausewegs. Es bimmelt. Nein &#8212; es t&#246;nt. Zerrei&#223;t die Stille des dahinpl&#228;tschernden Radios. Zupft an tr&#252;ben Liedern, die sich bis von ein paar Hundertstel nur m&#252;hselig gegen den Zufall wehren konnten. Das Ger&#228;t brummt in der Hosentasche. Denkbar ung&#252;nstig. Sitzender  &#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Handy rei&szlig;t mich aus dem Halbschlaf des autofahrenden Nachhausewegs. Es bimmelt. Nein &mdash; es t&ouml;nt. Zerrei&szlig;t die Stille des dahinpl&auml;tschernden Radios. Zupft an tr&uuml;ben Liedern, die sich bis von ein paar Hundertstel nur m&uuml;hselig gegen den Zufall wehren konnten. Das Ger&auml;t brummt in der Hosentasche. Denkbar ung&uuml;nstig. Sitzender Weise geschnallt und den leeren Stra&szlig;en folgend, w&auml;hrend die H&auml;nde mehr halb &mdash; aber dennoch be&auml;ngstigend automatisch &mdash; das Gef&auml;hrt man&ouml;vrieren, ist es sicherlich schwerlich zu erreichen. Ebenso verboten danach zu graben. Nur das freigesprochene Wort ist ehrlich und rein. Der Versuch bleibt deshalb noch lange nicht aus. Merkw&uuml;rdig in den Sitz gestreckt, sich windend, mal links, mal rechts die Hand ihrer lenkenden T&auml;tigkeit entbunden, wird der rebellierende Karton Zentimeter um Zentimeter aus dem Jeansverhau gefriemelt. Langsam wird der Bildschirm sichtbar. ANONYM ist es, das verzweifelt versucht Kontakt aufzunehmen. Wild peitscht es die pl&auml;rrende Musik aus dem kleinen Lautsprecher, sch&uuml;ttelt den Vibrationsalarm hin und her. Mit einem letzten Ruck zerre ich das Mobiltelephon aus der Klemme, w&auml;hrend der letzte klingende Takt vert&ouml;nt. Mich leiser, immer leiser, verh&ouml;hnt. ANONYM hat mich verpasst und bleibt es.</p>
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		<title>The 9 Thing</title>
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		<pubDate>Fri, 15 May 2009 10:15:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Chris</dc:creator>
				<category><![CDATA[Fundstücke]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
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		<description><![CDATA[<p>  
In diesem Jahr freue ich mich ganz besonders auf zwei Filme, die nicht nur im Titel auff&#228;llige Gemeinsamkeit haben, aber dennoch so verschieden sind. Es scheint als habe die Zahl 9 im dazugeh&#246;rigen zweitausendsten Jahr eine besondere Bedeutung und einen leichten Hang zur Zukunft. Die Rede ist  &#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> <img src="http://www.ph-neutral.net/wp-content/uploads/2009/05/9.jpg" alt="9" title="9" width="400" height="400" class="alignnone size-full wp-image-661" /> <span id="more-660"></span><br />
In diesem Jahr freue ich mich ganz besonders auf zwei Filme, die nicht nur im Titel auff&auml;llige Gemeinsamkeit haben, aber dennoch so verschieden sind. Es scheint als habe die Zahl 9 im dazugeh&ouml;rigen zweitausendsten Jahr eine besondere Bedeutung und einen leichten Hang zur Zukunft. Die Rede ist von &raquo;District 9&laquo; und &raquo;9&laquo;, die im August beziehungsweise September das Licht der us-amerikanischen Kinoleinwand entdecken werden.<!--more--> Beide Streifen basieren auf spektakul&auml;ren Kurzfilmen (<a href="http://www.youtube.com/watch?v=964QHmjLqa0">9</a> und <a href="http://www.youtube.com/watch?v=iNReejO7Zu8">Alive in Joberg</a>), deren absurde Situation und Umgebung schon in der Kurzfassung nicht nur das breite (Internet-)Publikum, sondern auch einige Juries beeindruckt hat. <a href="http://www.hdschellnack.de/?p=3263">HD</a> ist sicherlich kein Prophet, wenn er schreibt, dass Film das &raquo;n&auml;chste gro&szlig;e Ding&laquo; ist. Solche wunderbaren Vorlagen machen allerdings viel mehr Hoffnung, dass wir nicht mit noch mehr lustigen <a href="http://www.youtube.com/watch?v=SMWi7CLoZ2Q">Heimtiervideos</a> &uuml;berschwemmt werden, sondern Leute, die wirklich eine <a href="http://vimeo.com/1737450?pg=embed&#038;sec=1737450">Geschichte</a> zu erz&auml;hlen haben, zur Kamera greifen. </p>
<p>Doch zur&uuml;ck zu den beiden Neunen. Mich faszinieren die v&ouml;llig unterschiedlichen Ideen von Zukunft oder besser: paralleler Realit&auml;t. W&auml;hrend in <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/9_(2009_film)">9</a> die Zeit der Menschheit abgelaufen ist und nun nur noch Schrott und Ruinen an ihre einstige Existenz erinnern, bekommen wir in <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/District_9">District 9</a> Besuch. Sicherlich sind Aliens eins der abgedroschensten Stilmittel der hollywoodschen Filmproduktion (dazu vielleicht bei n&auml;chster Gelegenheit mal mehr &mdash; Knowing hat mich an diesem Punkt doch sehr entt&auml;uscht), aber in District 9 ist es anders. Sind die Au&szlig;erirdischen &mdash; genannt Non-Humans &mdash; anders. Au&szlig;erirdisch im Sinne von wirr, bizarr  und unvorstellbar sind auch die Hauptcharaktere in 9. Kleine, aus groben Stoffresten zusammengeschn&uuml;rte Gestalten, die jeden &mdash; der schon einmal <a href="http://www.littlebigplanet.com">Little Big Planet</a> auf der PS3 gespielt oder gesehen hat &mdash; direkt an eine endzeitliche Version des geliebten Sackboys erinnern. Sie leben und versuchen vor allen Dingen in einer Welt voller mechanischer Monstrosit&auml;ten zu <em>&uuml;ber</em>leben, aber auch dem Geheimnis ihrer Herkunft auf die Schliche zu kommen. </p>
<p>In District 9 sind es viel mehr die Menschen, die dem Geheimnis und der Technologie der intergalaktischen Einwanderer auf die Schliche kommen wollen. Der Film ist gr&ouml;&szlig;tenteils im Stile einer Dokumentation gehalten. Verwackelte Handkamera und Interviews mit Anwohnern entwickeln f&uuml;r den Zuschauer ein verst&ouml;rendes Bild auf eine Zivilisation, die Fremde anscheinend nur Willkommen hei&szlig;t um an ihre Vorteile zu gelangen, aber ansonsten nichts mit ihnen anzufangen wei&szlig;. Das Geheimnisvolle &uuml;berwiegt in beiden Geschichten. W&auml;hrend die lebendigen Fetzenm&auml;nnchen vor allen Dingen etwas mythisches umh&uuml;llt, sind die Non-Humans fremd an sich und ihre Motivation, aber auch die der Regierung, auf den ersten Blick undurchschaubar. </p>
<p>Wunderbar ist in beiden Filmen der Einsatz von Animation. <a href="http://www.imdb.com/title/tt0472033/">9</a>, als kompletter Animationsfilm, gl&auml;nzt durch wunderbare Details und absolut atemberaubende Atmosph&auml;re, w&auml;hrend im <a href="http://www.imdb.com/title/tt1136608/">District</a> die Effekte und Renderings hintergr&uuml;ndig und unauff&auml;llig genutzt werden, um die Bedrohung lebendiger werden zu lassen. Einen Eindruck von beiden Filmen will ich nat&uuml;rlich auch nicht vorenthalten: Den Trailer zu 9 gibt es <a href="http://9themovie.com/splash/">hier</a> und den zu District 9 <a href="http://www.d-9.com/">dort</a>.    </p>
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		<title>Der Monsun</title>
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		<pubDate>Fri, 01 May 2009 23:21:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Chris</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Monsun]]></category>
		<category><![CDATA[Regen]]></category>

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		<description><![CDATA[<p></p>
<p>Warm ist es. Sehr warm. Die Leute schwitzen. Nein, hei&#223; w&#252;rde ich es nicht nennen. Hei&#223; ist immer relativ. Es ist ziemlich warm, f&#252;r die meisten Leute schon zu warm, aber hei&#223;, wirklich hei&#223; ist was anderes. Froh ist, wer in einer Eisdiele unter einem der bunten Schirmchen hockt  &#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-605" title="monsun2" src="http://www.ph-neutral.net/wp-content/uploads/2009/05/monsun2.png" alt="monsun2" /></p>
<p>Warm ist es. Sehr warm. Die Leute schwitzen. Nein, hei&szlig; w&uuml;rde ich es nicht nennen. Hei&szlig; ist immer relativ. Es ist ziemlich warm, f&uuml;r die meisten Leute schon zu warm, aber hei&szlig;, wirklich hei&szlig; ist was anderes. Froh ist, wer in einer Eisdiele unter einem der bunten Schirmchen hockt und ein Eis mit buntem Schirmchen vor sich stehen hat. Oder eine Limonade. Gek&uuml;hlt, mit Eis, damit man blo&szlig; die Hitze nicht sp&uuml;rt.</p>
<p>&raquo;Monsun m&uuml;sste man sein.&laquo;<span id="more-595"></span></p>
<p>&raquo;Monsun&#8230; Monsun, warum Monsun?&laquo;<br />
&raquo;Als Monsun ist man pl&ouml;tzlich da, heftig und genauso pl&ouml;tzlich wieder weg. Das Leben sollte einem Monsun gleichen. Man f&auml;llt in die Trockenzeit, befreit die Gequ&auml;lten von der sengenden Hitze, befreit vom Durst, sp&uuml;lt das Alte hinweg, indem man fastvertrocknete B&auml;chlein anschwellen l&auml;sst, sie zu einem einzigen, rei&szlig;enden Strom vereint. Man wird Teil des Stroms, der einen selbst und Millionen und Abermillionen von gleichdenkenden, gleichgesinnten Regentropfen mit sich tr&auml;gt, fruchtbaren Boden hinterl&auml;sst, auf den nun nur die Samen fallen m&uuml;ssen um zu keimen.&laquo;</p>
<p>Nicht viel wird gesprochen, wenn es so warm ist, jeder Atemzug scheint kostbar, jedes Gespr&auml;ch lockt neugierige Zuh&ouml;rer. Ein Mann mit schwarzem Hut mischt sich ein, vor ihm stehen ein Cappuchino und ein Wasserglas. Sein wei&szlig;es Hemd, passend zum gleichfarbig-sch&uuml;tteren Haar, wird  ges&auml;umt von einer roten Fliege, eine andere verscheucht er mit einer knappen Handbewegung. Seine bla&szlig;e Haut h&auml;ngt in  schlaffen Falten &uuml;ber dem schmalen Gesicht. Fr&uuml;her war es vielleicht scharf geschnitten, genauso scharf, wie sein Blick es wahrscheinlich mal war, doch diese Zeiten sind vorbei. Immerhin ist es frisch rasiert.</p>
<p>&raquo;Entschuldigen Sie, aber um ein Monsun zu sein braucht es auch das richtige Klima. Wenn es nicht hei&szlig; genug ist, lohnt es sich nicht ein Monsun zu sein.&laquo;<br />
&raquo;Ach, finden Sie nicht, dass es hei&szlig; genug ist?&laquo;<br />
&raquo;Um ehrlich zu sein, finde ich nicht, dass es auch nur ansatzweise hei&szlig; w&auml;re, eher lau. Beinahe w&uuml;rde ich sagen, dass es mich friert. Es sch&uuml;ttelt mich. Fr&uuml;her, ja, fr&uuml;her, da war es richtig hei&szlig;. Da haben die Leute noch anders gedacht und waren nicht so verweichlicht, wie heute. Fr&uuml;her h&auml;tte es gebrodelt, aber heute ist es durchwachsen, man wei&szlig; nicht woran man ist.&laquo;<br />
&raquo;Fr&uuml;her, fr&uuml;her&#8230; Ich glaube nicht, dass Sie jemals einen Monsun erlebt haben.&laquo;<br />
&raquo;Das stimmt. In unseren Breiten sind Monsune wirklich selten geworden. Ich w&uuml;rde vieles geben einen zu sehen.&laquo;</p>
<p>Da meldet sich eine dicke, schwarze Frau zu Wort. Der Schwei&szlig; steht auf ihrer Stirn, schillert in der prallen Sonne. Sie sitzt nicht unter einem der bunten Schirmchen. Ges&auml;umt von krausem, fr&uuml;her gl&auml;nzend schwarzem, jetzt grauem Haar, schauen dunkle, intelligente Augen durch eine schwere Hornbrille. Ihr scheint es nichts auszumachen.</p>
<p>&raquo;Mein Sohn, der war ein Monsun. Ein echter Monsun. Doch genau, wie Sie es sagten: Er ri&szlig; das Alte nieder, aber er war nicht lange unter uns und dennoch erinnere nicht nur ich mich noch heute an ihn, so ist das mit Monsunen.&laquo;<br />
&raquo;Ich glaube, ich habe schon von Ihrem Sohn geh&ouml;rt&#8230;&laquo;, meint der Mann mit Hut.<br />
&raquo;Mit Sicherheit haben Sie das.&laquo;<br />
&raquo;&#8230;aber ich glaube nicht, dass sich die Leute noch wirklich an Ihren Sohn erinnern, er wird genauso vom Konsum benutzt, wie alle anderen auch.&laquo;</p>
<p>Er schl&auml;gt die Beine &uuml;bereinander, die geputzten, schwarzen Lackschuhe gl&auml;nzen genauso, wie die Stirn der Alten.</p>
<p>&raquo;Fr&uuml;her war Ihr Sohn etwas Neues. Frischer Wind in h&auml;ngenden Segeln, aber als er ging haben Kapit&auml;ne das Ruder &uuml;bernommen, die andere Ziele haben. Wir brauchen einen neuen Monsun, der den Kahn zum Kentern bringt. Ich w&uuml;nschte, ich w&auml;re ein Monsum gewesen, aber leider fiel ich ins falsche Klima. Gegen gierige Kapit&auml;ne m&uuml;sste man etwas tun.&laquo;<br />
&raquo;Ja, Monsun m&uuml;sste man sein, ungebunden, erl&ouml;send, nicht nur ein Tropfen auf den hei&szlig;en Stein.&laquo;</p>
<p>F&uuml;r eine Weile herrscht Stille. Jeder sucht den Monsun in sich oder genie&szlig;t den scheinheiligen Sonnenschein. Man bezahlt mit seinem Schwei&szlig;, tr&auml;nkt T-Shirt, Taschentuch, Toupet. Doch so sch&ouml;n es auch ist, im Eiscafe, so teuer kann es sein und Erfrischung findet man auch im eigenen, heimischen K&uuml;hlschrank.</p>
<p>&raquo;Wollen wir uns auf den Weg machen?&laquo;<br />
&raquo;Meinetwegen&#8230;&laquo;<br />
&raquo;Zahlen.&laquo;</p>
<p>Es klimpert, Geld wechselt seinen vermeintlichen Besitzer und hat es wieder einmal geschafft das letzte Wort zu behalten. W&auml;ren nicht alle potentiellen Monsune k&auml;uflich, dann w&auml;re es vielleicht mal wieder so richtig hei&szlig;, so bleibt es nur warm. Sehr warm. Und die Leute schwitzen zwar, aber finden sich damit ab und die Erfrischung in der Eisdiele. Nein, hei&szlig; w&uuml;rde ich es nicht nennen. Hei&szlig; ist immer relativ. Es ist wirklich ziemlich warm, allerdings nicht so hei&szlig;, dass irgendjemand etwas daran &auml;ndern wollte, denn hei&szlig;, wirklich hei&szlig; ist was anderes.</p>
<p><em>(Christopher Reinbothe, Kurzgeschichte, 2004)</em></p>
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		<title>Karl</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Mar 2009 21:52:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Chris</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Dinges]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Karl]]></category>
		<category><![CDATA[Maloche]]></category>

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		<description><![CDATA[<p>Karl sitzt da. Er sitzt am Tisch. Karl sitzt am alten K&#252;chentisch, guckt starr geradeaus. Karl guckt aus dem Fenster. Eigentlich guckt er nicht aus dem Fenster. Karl guckt ins Nichts. Er guckt durch das Fenster hindurch, genau, wie er durch die dahinterliegende Realit&#228;t abgewrackter Arbeiterbaracken aus Industrialisierungszeiten hindurch  &#8230;]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Karl sitzt da. Er sitzt am Tisch. Karl sitzt am alten K&uuml;chentisch, guckt starr geradeaus. Karl guckt aus dem Fenster. Eigentlich guckt er nicht aus dem Fenster. Karl guckt ins Nichts. Er guckt durch das Fenster hindurch, genau, wie er durch die dahinterliegende Realit&auml;t abgewrackter Arbeiterbaracken aus Industrialisierungszeiten hindurch schaut. Karl erz&auml;hlt. Er erz&auml;hlt von fr&uuml;her. Fr&uuml;her, als es ihm noch gut ging. Fr&uuml;her als Karl noch malochen konnte. Malochen, wie der Dinges. Der Dinges, von dem ihm der Name jetzt nicht mehr einf&auml;llt. Aber malochen, das konnte der. Karl erz&auml;hlt gerne von fr&uuml;her. <span id="more-434"></span>Wenn er von fr&uuml;her erz&auml;hlt, dann guckt er immer aus dem Fenster, so wie jetzt. Eigentlich guckt er nicht aus dem Fenster. Karl guckt in die Vergangenheit. Er guckt durch das Fenster hindurch in die Vergangenheit. Damals waren die Arbeiterbaracken noch nicht abgewrackt. Damals lebten hier die, die alles auf die Beine stellten. Hier lebten die, die malochten. Malochten, wie der Dinges oder wie der Bruder von Karl. Der konnte auch malochen. Wie ein Pferd. Karls Bruder ist tot. Gestorben mit dreiundvierzig. Eigentlich war er ein z&auml;her Bursche gewesen, aber er hatte sich nicht mehr erholt. Von der Arbeit verbraucht, niedergestreckt von einer Grippe. Aber malocht, das hatte er. Das Letzte gegeben. F&uuml;r die Firma, obwohl der Vorarbeiter so ein Schwachkopf gewesen war. Vor Karl steht eine schwarze Tasse. Vor Karl steigt hei&szlig;er Dampf der verwitterten K&uuml;chendecke entgegen. Kaffee. Genauso schwarz, wie die Tasse. Aber Karl trinkt nicht. Karl lacht. Wenn er lacht sieht man die gelb-braunen Z&auml;hne. Viele sind es nicht mehr und schr&auml;g stehen sie. Aber es ist ein ehrliches Lachen. Was dieser Schwachkopf von Vorarbeiter in zwei Wochen gemacht hatte, hatten andere in zwei Tagen gemacht. Karl sch&uuml;ttelt den Kopf. Das waren noch Zeiten. Damals hat man noch f&uuml;r die Firma, nicht f&uuml;r das Geld gearbeitet. Selbst wenn der Vorarbeiter so ein Schwachkopf gewesen war. Und ein Schwachkopf, das war der Vorarbeiter gewesen. Und was f&uuml;r einer! Gen&uuml;&szlig;lich greift er zum Tabak. Die sonst so zittrige Hand wird zum Pr&auml;zisionsinstrument. Geschmeidig greift sie hinein und fischt ein B&uuml;ndel hinaus. Die andere sucht ein Bl&auml;ttchen. Wie zwei Liebende kommen sie zusammen. Bl&auml;ttchen umarmt Tabak. Umschlingt ihn, bettet ihn sanft. Z&auml;rtlich werden sie durch die liebkosende Zunge verbunden. Karls Zunge. Lange wird ihre Ehe nicht halten. Nat&uuml;rlich hatte man auch gerne Kohle in der Tasche und man verdiente ja auch so einiges. So einiges! Aber das war nicht das Wichtigste. Das Feuerzeug entflammt. Asche findet zu Asche. Staub zu Staub. Vor Karl steht ein Aschenbecher. Er steht direkt neben der schwarzen Kaffeetasse, die dampft. Wo die her ist wei&szlig; Karl auch nicht, aber sie dampft. Die Zigarette qualmt. Neben Karl wiegen sich graue Wogen. Der Gestank h&auml;ngt in der ganzen Wohnung. Das Nikotin gelb an Karls Fingern. Der Kaffee ist frisch. Manche sagen Kaffee ist undefinierbar. F&uuml;r Karl ist er wahrscheinlich nur zu hei&szlig;. Aber Malochen, das konnte er. Jetzt hat er einen kaputten Fu&szlig;. Genau, wie der Dinges ihn mal hatte, aber der Dingens, von dem Karl der Name jetzt nicht einf&auml;llt, der hatte ihn damals. Den kaputten Fu&szlig;. Karls Fu&szlig; ist heute kaputt und heute heilt er nicht mehr vern&uuml;nftig. Damals h&auml;tte ihm das nichts ausgemacht. Karl war ein harter Hund. Ein harter Hund, wie sein Vater. Ein harter Hund, dank seines Vaters. Sein Vater h&auml;tte ihm was erz&auml;hlt, wenn er so faul w&auml;re, wie der Sohn von nebenan. Dieser faule Hund. Der ist ohne Vater aufgewachsen und sie l&auml;&szlig;t viel zu viel durchgehen. Sie, das ist die Nachbarin. Sie malocht in einer B&auml;ckerei. Malocht die ganze Zeit nur f&uuml;r den Jungen. Und der ist faul. So ein fauler Hund! Ja, so ist das. Heutzutage kann kaum noch einer richtig malochen. Fr&uuml;her bei Dinges, da musste man noch richtig anpacken. Da hat Karl jahrelang malocht, den Namen wei&szlig; er trotzdem nicht mehr. Jetzt sitzt er nur noch an seinem alten K&uuml;chentisch, vor ihm die schwarze Tasse voll mit schwarzem, viel zu dampfend hei&szlig;em Kaffee, daneben Tabak, Bl&auml;ttchen, Feuerzeug und Aschenbecher, und starrt hinaus in die Vergangenheit, die immer tr&uuml;ber wird, genauso tr&uuml;b, wie die Luft in seiner Bude. Genauso tr&uuml;b, wie der Nebel zwischen den abgewrackten Arbeiterbaracken. Tr&uuml;b, wie seine Augen. Er dr&uuml;ckt den &uuml;briggebliebenen Stummel aus. M&uuml;hselig. Seine Hand zittert. Bl&auml;st den letzten Zug zu den anderen tr&uuml;ben Wogen. Greift aufs Neue. Tabak, Bl&auml;ttchen, Feuerzeug. Pr&auml;zision. Jeder Handgriff. Tausendfach wiederholt. Genau wie beim Malochen. Die Stirn zieht sich noch faltiger als sonst zusammen. Konzentration. Die roten &Auml;derchen um die Nase scheinen hervorzutreten. Ein Schande, das die ganzen Buden dicht gemacht haben. Eine Schande! Karl versteht nicht warum. Damals haben sie so viel rausgehauen. Bis nach Holland haben sie geliefert bei Dinges. War das alles f&uuml;r die Katz? F&uuml;r die Katz? Eine Schande! Karl sch&uuml;ttelt den Kopf. Karl steckt sich die neue Fluppe in den Mund. Das Feuerzeug kriegt er kaum noch an. Wahrscheinlich bald leer. Verbraucht. Damals war er noch zu was n&uuml;tze. Damals hat er auch schon geraucht. Auch mal ein Bierchen getrunken. Einmal&#8230; einmal da ist er besoffen bei der Arbeit gewesen. Er und der Dinges hatten da gesoffen, aber sie haben trotzdem malocht und keiner hat was gesagt. Klar, der Meister hatte es gemerkt, aber was sollte er machen? Auf der Arbeit haben sie nie gesoffen. Nur die Kleine, die den Laster fuhr, die machte nicht nur im Fahren den Kerlen was vor. Die Kleine. Karl schw&auml;rmt. Er schw&auml;rmt gerne von Leuten, die richtig malochen konnten. Dann guckt er immer aus dem Fenster. Der Boiler tropft. Das Becken ist voll. Tassen, L&ouml;ffel, Messer. Ruhig angehen l&auml;&szlig;t Karl es. Erstmal einweichen. Mit Sp&uuml;lmittel und hei&szlig;em Wasser. Im Wohnzimmer steht noch immer der kleine, goldene Plastikweihnachtsbaum. Ruhig angehen. Es ist fast Ostern. Damals hatten sie auch an Feiertagen malocht. Wenn das kleine Lager voll war, weil die in der Montage wieder nicht hinterher kamen hatte der Meister sie f&uuml;r ne Woche nach Hause geschickt. Eine ganze Woche! Einmal hatte er dann zwei Tage sp&auml;ter angerufen und gemeint, dass Karl noch eine dranh&auml;ngen sollte. Noch eine ganze Woche! Und das hat er dann auch gemacht. Und wie er das gemacht hat! Ja, das waren noch Zeiten. Er nimmt einen letzten Zug, bl&auml;&szlig;t ihn wieder aus und dr&uuml;ckt die Dinges aus, von der ihm der Name grad nicht einf&auml;llt.</p>
<p><em>(Christopher Reinbothe, Kurzgeschichte, 2004)</em></p>
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		<title>Standuhr im Engelshaus (Wuppertal)</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Jan 2009 16:35:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Chris</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<p>Das Engelshaus selbst ist sehr sch&#246;n &#8212; direkt am Engelsgarten. Die dortÂ ans&#228;ssige Ausstellung hingegen nicht. Sehr lieblos und verstaubt kommt die Darstellung des ber&#252;hmten Wuppertalers daher. Schade.Â </p>
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<p><a href="http://www.ph-neutral.net/wp-content/uploads/2009/01/p-640-480-7cd88f29-e124-4b07-8bbe-8580cb9a1f92.jpeg" rel="shadowbox[sbpost-57];player=img;"><img class="alignnone size-full wp-image-364" src="http://www.ph-neutral.net/wp-content/uploads/2009/01/p-640-480-7cd88f29-e124-4b07-8bbe-8580cb9a1f92.jpeg" alt="" width="225" height="300" /></a></p>
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